Uwe Kammann
Uwe Kammann arbeitet als Publizist und Medienberater. Von 2005 bis 2014 leitete er als Direktor und Geschäftsführer das Grimme-Institut in Marl. Er lebt in Frankfurt am Main und in der Bretagne.
Herr Kammann, welche (politische) Rolle spielen gemeinnützige Medien Ihrer Meinung nach für die Zukunft des Journalismus in Deutschland und in Europa?
Eine eminent wichtige Rolle: als Garant dafür, dass der immensen Zahl an Medien aller Art überhaupt noch ein Multi-Pol mit erhöhter Glaubwürdigkeit und verminderten Abhängigkeiten entgegengestellt werden kann.
Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für gemeinwohlorientierte Medien in den nächsten Jahren – Stichwort Wettbewerb und Finanzierung?
Die quantitativen Proportionen werden sich weiter verschieben in Richtung der kommerziell getragenen Medien – und dies bei einem ungleich höheren finanziellen Einsatz. Dies verstärkt sich, weil der Markt zunehmend global (und weitgehend unreguliert) funktioniert, bei schon jetzt dominierenden Monopolen, welche zudem Transportwege, Organisation und Inhalte kombinieren und verschränken. Selbstbestimmte Plattformen aufzubauen, wird zunehmend schwieriger werden, doch ist dies unabdingbar. Wenn aus den ARTE-Ambitionen beim Aufbau eines gemeinwohlbestimmten europäischen Inhalte-Netzes etwas werden könnte, wäre das großartig – allerdings auch nur der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein.
Welche Erfahrungen aus Ihrer Zeit als Grimme-Direktor könnten für die Entwicklung einer zeitgemäßen Medienkritik heute besonders wertvoll sein?
Die Erfahrungen bestehen eher aus einer Desillusionierung. Substanzielle Medienkritik stößt an die Grenzen einer Status-Quo-Bewahrungspolitik der Akteure, gerät in eine Nische der Beziehungen von Erkenntnis und Interesse(n). Der Versuch, eine konstante und breiter aufgestellte Kritik-Plattform unter der Marke Grimme zu etablieren, fand keine tragfähige Mehrheit. Die Anstrengung, einen neuen Anlauf zu unternehmen, wäre aller Mühen wert. Absehbar ist eher: Es wird bei einem kleinteiligen Puzzle bleiben, das von passionierten Einzelkämpfern bestückt wird.
Uwe Kammann

Uwe Kammann arbeitet als Publizist und Medienberater. Von 2005 bis 2014 leitete er als Direktor und Geschäftsführer das Grimme-Institut in Marl. Zuvor war er ab 1984 Chefredakteur des Medienfachdienstes „Epd Medien“. Dem Grimme-Institut war Kammann bereits seit 1980 über kontinuierliche Jury-Arbeit, darunter mehrfach als Vorsitzender, verbunden. Das weitere Spektrum seiner bisherigen Juroren-Tätigkeit reicht vom Deutschen Fernsehpreis über den Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste, den Deutschen Kamerapreis, den Marler Video-Kunst-Preis und den Robert-Geisendörfer-Preis bis zum Hörspielpreis der Kriegsblinden (Vorsitzender von 1996 bis 2001) und dem Deutschen Hörspielpreis (Vorsitzender 2009 und 2010). Kammann ist Presse-, Radio- und Buchautor. Zu seinen Buchveröffentlichungen gehören „Organisierte Phantasie“ (Fink), „Die Schirm-Herren“ (Kiepenheuer & Witsch) und „HörWelten“ (Aufbau). Er war Mitglied des Beirats der TV-Produktionsgesellschaft Eikon, zuvor der Filmakademie Baden-Württemberg und der Mainzer Tage der Fernseh-Kritik des ZDF. Auszeichnungen: Deutscher Preis für Medienpublizistik und Hans-Bausch-Mediapreis.
Foto: Petra Kammann
Das Format: 3 Fragen – 3 Antworten
Herausforderungen, Erfahrungen, Chancen: In Kurzinterviews sprechen wir mit Akteur:innen in der Medienlandschaft zur Finanzierung und Förderkulisse von Journalismus sowie zu Fragestellungen rund um gemeinnützigen und gemeinwohlorientierten Journalismus.